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Symposium „Feldenkrais & Forschung III“ und Forschungswerkstatt II
 

Feldenkrais aus der Perspektive der Natur- oder der Sozialwissenschaften?

In mehreren Dimensionen über die Feldenkrais-Methode nachdenken

13. – 14. Februar 2013 | Aschaffenburg, Stadthalle am Schloss
Veranstaltet vom Förderverein für Feldenkrais und somatisches Lernen, e. V., München

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Donnerstag, 14.02.2013
 

Symposium: Feldenkrais & Forschung III


09:30   Begrüßung Claus-Jürgen Kocka, Roger Russell, Cornelia Berens
 

 



09:45   Prof. Dr. Thomas Fuchs,
 Karl Jaspers-Professor für Philosophische Grundlagen der Psychiatrie und Psychotherapie, Zentrum für Psychosoziale Medizin, Universitäts- klinikum Heidelberg


Das Leibgedächtnis: eine philosophische und psychologische Perspektive
 

ABSTRACT Das Gedächtnis enthält nicht nur bestimmte Erinnerungen an Vergangenes, sondern auch erworbene Dispositionen, Fähigkeiten und Gewohnheiten, die meist implizit, also vor- oder unbewusst unser gegenwärtiges Erleben und Verhalten beeinflussen. Wir nutzen diese Vermögen unseres Leibes, ohne gezielt zu überlegen, wie wir das tun, ohne uns zu erinnern, wie wir es früher getan hatten, oder vorwegzunehmen, was wir tun wollen. Dieses „Gedächtnis des Leibes“ tritt in verschiedenen Formen auf, die sich als prozedurales, situatives, zwischenleibliches Gedächtnis, aber auch als Schmerz- und traumatisches Gedächtnis beschreiben lassen. Die lebenslange Plastizität des Leibgedächtnisses ermöglicht die Anpassung an die jeweilige natürliche und kulturelle Umgebung, insbesondere die Verwurzelung und Beheimatung im sozialen Raum. Die im Leibgedächtnis niedergelegten Strukturen sind andererseits eine wesentliche Grundlage des Selbsterlebens und der Identität: Die individuelle Geschichte und Persönlichkeit eines Individuums kommt auch in seinem leiblichen Habitus und Verhalten zum Ausdruck. Diese leibliche Persönlichkeitsstruktur entwickelt sich besonders im Verlauf der frühkindlichen Interaktionen mit anderen; sie lässt sich daher immer auch als „zwischenleibliche Struktur“ auffassen. – Diese Konzeption des Leibgedächtnisses wird phänomenologisch entwickelt und anhand klinischer und literarischer Beispiele erläutert.



10:45   Kaffeepause
 



11:00   Prof. Dr. Wolfgang Schöllhorn,Trainings- und Bewegungswissenschaft, Institut für Sportwissenschaft, Johannes-Gutenberg-Universität Mainz


Differenzielles Lehren und Lernen – vom Nutzen der Fehler
 

ABSTRACT Traditionell assoziieren wir mit Lernen zahlreiche Wiederholungen gepaart mit vielen Fehlerkorrekturen und orientieren uns dabei nicht selten an weltbesten Vorbildern. Das deutliche Erkennen von Personen anhand ihrer Körperbewegungen und die Tatsache, dass keine Bewegung ein zweites Mal identisch wiederholt werden kann, stellt diese Vorgehensweise grundlegend in Frage. Ein relativ junger Lernansatz, der auf physikalischen und neurophysiologischen Mechanismen basiert und sowohl die Individualität als auch die Nichtwiederholbarkeit von Bewegungen aufnimmt, ist der differenzielle Lernansatz. Hier werden Fehler nicht mehr als etwas zu korrigierendes betrachtet, sondern als Fluktuationen, die Information über die Stabilität und Instabilität eines Systems Auskunft liefern und genutzt werden können. Diese Vorgehensweise scheinen Kleinkinder intuitiv für ihr erfolgreiches Lernen zu nutzen. Übertragen auf das Lernen bei Erwachsenen führt dieser Ansatz in zahlreichen Experimenten nicht nur zu einer deutlich erhöhten Aneignungsrate, sondern auch nach Ende der Lernmaßnahme zu einem weiteren Leistungsanstieg. Aus dieser Sicht scheint Erfolg Fehler vorauszusetzen. Praktische Anwendungen in Alltag und Sport werden vorgestellt.
 



12:00   Dr. Erwin Lemche, 
Vertretungsprofessur für Entwicklungspsychologie, Fachbereich Psychologie, Universität Konstanz, und Institute of Psychiatry, London (IOP)


Die Veränderung des Körperbildes über die Lebensspanne
 

 

ABSTRACT Der Vortrag gibt eine einführende Übersicht über die Entwicklungs- psychologie der Lebensspanne, sowie die alternsbedingten Veränderungen im Zentralnervensystem, welche Veränderungen des Körperbildes bedingen. Dabei liegen die Schwerpunkte auf den Entwicklungsprozessen in der späten Kindheit, der Adoleszenz, des mittleren Erwachsenenalters, und der Seneszenz. Dargestellt werden Differenzierungen der kognitiven und motorischen Funktionen, die Rolle von neurotrophen Wachstumsfaktoren und den altersbedingten kognitiven Verlusten und ihrer Kompensation im Spannungsfeld von Neuroprotektion und Neurodegeneration innerhalb der Alternsentwicklung.



13:30   Mittagessen im Stadthallen-Restaurant (mit Vorbestellung)
 


14:30   Diskussion – Zusammenfassung – Ausblick



16:00   Ende des Symposiums